Ein Ort mit enormen Potential.
Der Neupfarrplatz hat die Chance die Altstadt nachhaltig positiv zu verändern.

Der Neupfarrplatz ist das Herz der Regensburger Altstadt. Und genau darin liegt seine besondere Stärke.
Täglich bewegen sich unzählige Menschen über diesen zentralen Ort. Er ist nach wie vor fester Bestandteil der Wege durch die Stadt und damit tief im alltäglichen Leben verankert. Die Frequenz ist eigentlich da. Die Lage ist herausragend. Die Bedeutung, historisch wie im Hier und Jetzt ist unbestritten. Gerade deshalb eröffnet sich hier eine besondere Chance.
Ein Ort mit Potenzial zur Weiterentwicklung
Nach nun gut einem halben Jahr mit der Initiative UNSER.STADT.RAUM. und nachdem ich am vergangenen Montag Teil einer Diskussion zur Transformation der Neupfarrkirche war, möchte ich noch einmal auf den Neupfarrplatz als Gesamt-Ensemble eingehen.
Unbestritten: Heutzutage ist der Platz ein Transitort. Ein Ort, über den man fast unweigerlich immer kommt, wenn man in der Regensburger Altstadt von A nach B möchte. Er ist aber kein Ort mehr, den ich grundlegend mit einer „Destination“ verbinde. Nicht mehr. Das war bis vor ein paar Jahren noch anders. Der Neupfarrplatz hat durch seine Lage in der Altstadt alle Voraussetzungen, um ein Ort zu sein, an dem man sich bewusst aufhält. Ein Ort, der nicht nur durchquert wird, sondern an dem sich städtisches Leben bündelt und so einen großen Beitrag zur Regensburger Stadtgesellschaft leistet. Die Grundlage dafür liegt nicht in erster Linie in gestalterischen Maßnahmen und ein paar Veränderungen am Platzlayout, sondern in der gezielten Weiterentwicklung der Nutzung und die Reaktion auf wirtschaftliche Entwicklungen in unserem 21. Jahrhundert.
Ein Platz entfaltet seine Qualität dann, wenn er einen klaren Zweck im Alltag erfüllt. Wenn er Gründe bietet, dort zu sein. Wenn er Angebote schafft, die Menschen regelmäßig und selbstverständlich anziehen. Als historisch gewachsener und zentraler Ort trägt der Neupfarrplatz eine enorme Bedeutung in der Regensburger Stadtgeschichte in sich. Diese gilt es wieder stärker in den Alltag der Stadtgesellschaft zu übersetzen. Der Platz kann wieder zu dem Ort werden, der Begegnung und gemeinsames Erleben selbstverständlich miteinander verbindet.
Der Kaufhof als zentraler Impulsgeber
Das leerstehende Kaufhausgebäude spielt dabei eine enorme Schlüsselrolle. Das Gebäude bietet durch seine Größe, Lage und Struktur die Möglichkeit, genau diese Entwicklung anzustoßen. Es kann zum inhaltlichen Anker des Platzes werden und eine Strahlkraft entfalten, die weit über den Neupfarrplatz hinaus wirkt. Entscheidend ist dabei die zeitliche Dimension. Eine kurzfristige Zwischennutzung innerhalb der nächsten ein bis zwei Jahre ist aus meiner ganz persönlichen Sicht zwingend notwendig und unumgänglich. Sie kann den Ort wieder unmittelbar ins Leben zurückführen und sichtbar machen, welches Potenzial bereits heute vorhanden ist.
Darauf aufbauend braucht es ein tragfähiges Konzept für die nächsten Jahrzehnte. Der Neupfarrplatz hat die Kraft, der Altstadt wieder ein funktionierendes und pulsierendes Zentrum zu geben. Einen Ort, der den Alltag der Regensburgerinnen und Regensburger prägt und gleichzeitig Impulse in die umliegenden Gassen und Plätze sendet. Die Entwicklung eines so wichtigen Ortes bleibt nie auf ihn selbst beschränkt. Sie wirkt immer in das städtische Umfeld hinein. Entwicklungen wie in der Pfauengasse zeigen bereits heute, wie sensibel diese Zusammenhänge sind und wie stark sich Veränderungen ausbreiten können.
Rolle statt Einzelmaßnahme
Auch bestehende Nutzungen am Neupfarrplatz zeigen, wie entscheidend die Frage nach der Rolle eines Ortes geworden ist. Die Neupfarrkirche ist ein, wenn nicht das prägende Gebäude am Platz. Sie ist präsent, sie wird genutzt und sie steht gleichzeitig aktuell im Mittelpunkt einer intensiven Diskussion über ihre zukünftige Ausrichtung. Im Rahmen eines Architekturwettbewerbs wurden und werden Möglichkeiten geprüft, den Innenraum flexibler nutzbar zu machen, etwa durch mobile Elemente, neue Raumstrukturen und zusätzliche Angebote für Veranstaltungen, Gruppenaktivitäten oder Konzerte. Auch Themen wie Barrierefreiheit oder neue Zugänge werden konkret verhandelt.
Diese Entwicklung zeigt sehr deutlich, in welche Richtung gedacht wird. Räume sollen sich öffnen, anpassungsfähiger werden und stärker in den Alltag der Stadt integriert werden. Gleichzeitig wird deutlich, dass es nicht ausreicht, Gebäude nur baulich weiterzuentwickeln. Entscheidend ist, welche Rolle sie im Leben der Stadt übernehmen. Die Neupfarrkirche hat das Potenzial, ein wichtiger Bestandteil eines lebendigen Platzes zu sein. Als Ort für Begegnung, für Kultur und für gemeinsames Erleben.
Damit sie diese Wirkung entfalten kann, braucht es jedoch mehr als einzelne Maßnahmen in einem einzelnen Gebäude. Gerade im Zusammenspiel mit einer neuen Nutzung im ehemaligen Kaufhof kann hier eine Dynamik entstehen, die den gesamten Platz stärkt und ihm die Qualität zurückgibt, die er einst hatte.
Verantwortung und Perspektive
Regensburg ist zu Recht stolz auf seine Altstadt. Diese Qualität ist jedoch kein statischer Zustand, sondern das Ergebnis kontinuierlicher Entwicklung. Orte verändern sich. Und genau darin liegt die Chance, sie aktiv weiterzudenken. Der verantwortungsvolle Umgang mit dem ehemaligen Kaufhaus ist dabei ein wesentlicher Bestandteil dieser Entwicklung. Eine Weiterentwicklung im Bestand ermöglicht es, vorhandene Strukturen zu nutzen, Ressourcen zu schonen und den Ort ohne lange Unterbrechungen neu zu beleben. Ein Abriss würde diesen Prozess deutlich verzögern und mit erheblichen Eingriffen in die gewachsene Struktur der Altstadt einhergehen. Der Weg über den Bestand eröffnet hingegen die Möglichkeit, schneller, nachhaltiger und im Einklang mit dem Ort zu handeln.
Der Neupfarrplatz braucht keine Eventisierung und keine kurzfristigen Effekte. Was ihn langfristig stärkt, sind Nutzungen, die im Alltag verankert sind. Orte für Kultur, Bildung, Veranstaltung und Begegnung. Räume, die Menschen quer durch alle Altersgruppen regelmäßig aufsuchen und die Teil ihres täglichen Lebens werden. Er hat das Potenzial, wieder zu einem Ort zu werden, den man als Regensburger bewusst aufsucht. Nicht, weil er auf dem Weg liegt, sondern weil er selbst zum Ziel wird. Ein Ort mit echter Aufenthaltsqualität. Die zentrale Frage ist dabei weniger, ob diese Entwicklung möglich ist, sondern wie konsequent sie verfolgt wird. Der Neupfarrplatz gehört zu den wichtigsten Orten der Altstadt. Entsprechend sollte er auch bewertet werden.
Das bedeutet auch, sich von einer rein wirtschaftlichen Betrachtung einer einzelnen Immobilie wie das leerstehende Kaufhaus zu lösen. Es geht hier nicht um die Baumasse eines Gebäudes, sondern um die Wirkung eines zentralen Ortes für die gesamte Altstadt. Für einen Ort mitten im UNESCO Weltkulturerbe. Der Neupfarrplatz darf uns als Stadtgesellschaft nicht zu teuer sein.
Jetzt ist der Moment, diese Perspektive einzunehmen und daraus klare Entscheidungen abzuleiten. ■





