Eine große Chance für Regensburg
Warum das ehemalige Kaufhof-Gebäude großes Potential für eine Stadt an der Schwelle hat

Wenn man sich mit Stadtentwicklung in Deutschland beschäftigt, stößt man auf ein wiederkehrendes Muster: Wir investieren unendlich viel Energie darin, gegen etwas zu sein. Gegen Neubauten, gegen Umbauten, gegen Veränderungen. Aber zu selten investieren wir die gleiche Energie, für etwas zu sein. FÜR heißt: eine Vision entwickeln, etwas Neues schaffen, einen Gewinn für alle generieren.
Ein Beispiel dafür, wo wir genau jetzt in Regensburg FÜR etwas sein sollten, steht mitten in der Altstadt: das ehemalige Kaufhof-Gebäude am Neupfarrplatz. Das Gebäude prägt seit den 1970er Jahren diesen Platz. Viele verbinden es mit ihrer Kindheit, mit Einkäufen, mit einer Epoche, in der Kaufhäuser noch das Zentrum des Stadtlebens waren. Doch diese Zeit ist vorbei – und die Frage, was nun mit dem Gebäude passiert, wird entscheidend für die Zukunft dieses Ortes.
Fehlende Räume für eine wachsende Stadt
Meine Motivation, mich mit dem Thema zu befassen, ist sehr konkret. Vor zwei Jahren organisierte meine Frau einen internationalen Kongress in Regensburg, mit Gästen aus London, Malmö und Italien. Am Ende war sie entnervt, weil es schlicht keine geeigneten Kongress- oder Eventlocations gibt. Die Teilnehmer landeten schließlich in Hotels am Stadtrand in Dechbetten und mussten mit Bussen nach Oberisling ins Jahnstadion gebracht werden. Für eine Stadt, die sich selbstbewusst als UNESCO-Weltkulturerbe präsentiert und touristisch zu den schönsten Städten Deutschlands zählt, ist das schlichtweg untragbar.
Seit Jahrzehnten diskutieren wir über das Kultur- und Kongresszentrum. Mal am Ernst-Reuter-Platz, mal am Donaumarkt. Doch die Diskussion bleibt stecken, ohne Ergebnis. Dabei geht es nicht um eine Stadthalle für den Musikantenstadel, sondern um Räume für Kabarettisten, Orchester, moderne Musik, Unternehmensveranstaltungen, Tagungen und Kongresse. Für eine Stadt, die bald 200.000 Einwohner hat, ist das Fehlen solcher Räumlichkeiten schlichtweg lächerlich.
Der Neupfarrplatz wäre dafür prädestiniert. Hotels, Gastronomie und Einzelhandel liegen direkt daneben, Touristenströme kreuzen sich, die Altstadt könnte wirtschaftlich profitieren, weil die Teilnehmer nicht an den Stadtrand verdrängt würden. Eine solche Location wäre nicht nur für Regensburg, sondern für die gesamte Region Oberpfalz und Niederbayern von Interesse – von Amberg und Weiden über Neumarkt bis hin zu Deggendorf oder Passau.
Warum Abriss keine Lösung ist
Leider ist das Szenario eines Abrisses nicht unrealistisch, gerade wenn die Stadt das Gebäude tatsächlich erwerben sollte. Doch wir müssen uns klarmachen, was das bedeuten würde: eine Großbaustelle mitten in der Altstadt für viele Jahre (5-7 Jahre, bei sehr wahrscheinlichen archäologischen Funden eher 10-12 Jahre) , ein massiver Eingriff ins Weltkulturerbe und vor allem ein ökologisches Fiasko. Denn 38 Prozent der weltweiten CO₂-Emissionen entstehen im Bausektor – und mit jedem Abriss geht die im bestehenden Gebäude gebundene graue Energie unwiederbringlich verloren. Abriss und Neubau sind im Jahr 2025 nicht mehr zeitgemäß. Nachhaltigkeit bedeutet, auch zu den architektonischen „Fehlern“ der 70er Jahre zu stehen und sie durch Umbauten zu verbessern, nicht einfach auszuradieren.
Zahlreiche internationale Beispiele zeigen, wie ehemalige Kaufhäuser erfolgreich transformiert wurden. Auch in Regensburg könnte das Kaufhof-Gebäude nach einem Umbau ein völlig neues Gesicht bekommen – mit neuer Fassade, intelligenter Architektur und einer Nutzung, die wirklich in die Zukunft weist.
Hinzu kommt: Ein Abriss löst eine ganze Reihe baurechtlicher Probleme aus, die vielen gar nicht bewusst sind. Die aktuell vorhandene Dichte in der Stadtstruktur würde man bei einem Neubau gar nicht mehr genehmigt bekommen. Abstandsflächen müssten neu bewertet werden, was automatisch zu einer geringeren Ausnutzung des Grundstücks führt. Auch die Stellplatzfrage stellt sich völlig neu – aktuell nicht vorhandene Parkplätze müssten dann nachgewiesen oder teuer „abgelöst“ werden. All das erschwert die Entwicklung massiv. In der bestehenden, nicht denkmalgeschützten Baumasse kann man dagegen sehr frei agieren, umbauen, aufstocken, Fassaden verändern – mit viel weniger rechtlichen Hürden und gleichzeitig einem klaren ökologischen Vorteil.
Stillstand ist die größte Gefahr
Die noch größere Gefahr als ein Abriss ist jedoch der Stillstand. Jahrzehntelange Verhandlungen, wie man sie andernorts erlebt, könnten das Gebäude zu einem „Lost Place“ verkommen lassen. Bad Gastein in Österreich ist ein warnendes Beispiel: Dort ließ ein Investor fast die gesamte Ortsmitte jahrzehntelang verfallen. Auch in Regensburg kennen wir das – man denke nur an das Adler-Haus, das durch einen blockierenden Eigentümer zum Schandfleck wurde. Der Unterschied: Das Kaufhof-Gebäude liegt mitten im Herzen der Stadt, an einer Stelle, die zu wichtig ist, um sie verfallen zu lassen.
In den Rückmeldungen auf meine Petition zeigt sich, dass dieses Anliegen überparteilich ist. Menschen aus allen politischen Lagern unterschreiben, weil es nicht um Ideologie geht, sondern um die Zukunft der Stadt. Adressaten sind deshalb sowohl die Oberbürgermeisterin als auch der gesamte Stadtrat – und natürlich die Eigentümer, mit denen eine Lösung gefunden werden muss.
Mir geht es nicht darum, dass morgen ein Bauantrag gestellt wird. Mir geht es um einen Impuls: eine Machbarkeitsstudie, einen offenen Architekturwettbewerb, einen Dialog zwischen Stadt, Eigentümern, Experten und Bürgern. Wir brauchen den Mut, eine Vision für den Neupfarrplatz zu entwickeln, statt in Stillstand und Verfall zu geraten.
Jetzt unterschreiben und teilen
Meine Petition ist lokal verankert. Verglichen mit bundesweiten Initiativen mögen 500 Unterschriften wenig erscheinen. Für Regensburg sind sie ein starkes Signal, und 1000 wären noch stärker. Vor allem aber geht es darum, Aufmerksamkeit für ein Thema zu schaffen, das nicht im Stillstand enden darf.
👉 Unterstützen Sie den Impuls, bevor es zu spät ist: HIER UNTERSCHREIBEN und teilen, teilen, teilen. ■





